Mein Name ist SUNDRI und ich bin eine den Menschen freundlich gesonnene Bengaltigerin, da man mich mit der Flasche aufgezogen hat. Zugegeben es ist etwas ungewöhnlich, daß eine Tigerin aus ihrem Leben erzählt. Es erscheint mir wichtig, von dieser besonderen Beziehung zu FEE, wie ich diese Menschenfrau aufgrund ihrer besonderen Liebe zu mir nenne, zu berichten. Meine erste Begegnung hatte ich mit FEE, als sie in den Zoo kam und ich den Eindruck hatte, daß es nur Tiger für sie gibt, insbesondere - mich. Es gibt viele Besucher, aber dieses Interesse war ein Kontakt, der tiefer war als es mir bisher geschah. Sie kam sehr oft und stand einfach da, mich mit lieben Augen ansehend, meine Krankheit erkennend, denn ich hatte damals ein Nierenleiden und war sehr mager. Es war einfach schön, ihre beruhigende Stimme zu hören und ich freute mich immer über ihren Besuch. Dies war der Beginn unserer tiefen Freundschaft. II. Liebe und Vertrauen Eines Tages kam FEE nicht tagsüber, sondern abends, als die Tierpfleger gegangen waren und setzte sich zu uns ins Raubtierhaus. Die anderen fühlten sich gestört, aber ich spürte, daß für uns alle eine neue Zeit angebrochen war, da so spät sonst nie jemand zu uns ins Haus durfte. FEE erzählte mir, daß wir jetzt alle zu ihr und ihrer Familie gehören und der Tierarzt nach mir sehen würde. Sie kam aber schon mit etwas wohlschmeckendem zu trinken, welches sie mir in mein Trinkwasser gab und das mir helfen sollte. Sie sagte mir, daß wir alle jetzt vom Kosmos in ihre Obhut gegeben sind und sie versuchen, dieser Aufgabe gerecht zu werden zum Wohle aller. An jenem Abend begann meine innige Freundschaft mit FEE. Sie kam nun jeden Abend zu mir und sprach mit mir über alles, was sie bewegte und dies schuf ein besonders Band zwischen uns. Die Menschen denken meist, daß wir nichts verstehen, aber auf der Basis der Liebe und der Gedankenkraft übermitteln wir dem anderen, was gemeint ist und auf diesem Wege empfangen wir die Gedanken der Menschen. Eines Abends kam ich wieder nach vorne an das Gitter im Innengehege, da faßte FEE Mut und gab mir Ihr Vertrauen, streckte mir ihre Hand durch das Gitter entgegen, ganz scheu, aber nicht ängstlich. Sie berührte seitlich meinen Körper und ich hielt ganz still, drehte Ihr mein Gesicht zu und begrüßte sie mit leisem Prusten, welches wir äußern, wenn wir jemand mögen. Dieses Prusten ist der Ausdruck der Bengaltiger ihre Zuneigung zu äußern. Wenn FEE kam legte ich mich immer ans Gitter und wartete, daß sie mich kraulte. Jedes Tier, ob wild oder zahm, welches die Liebe eines Menschen gespürt hat, wird dieser Zuneigung bedürfen und die Nähe des geliebten Menschen suchen. FEE nahm mich in den Arm und es tat unendlich wohl und sie durfte mich überall berühren, besonders gut tat es im Gesicht und hinter den Ohren. Unter dem Kinn war es eine ganz besondere Wonne, sie fuhr dann anschließend ganz sanft meine Brust entlang und streichelte dann langsam meine großen Pranken, sie leicht in ihre Hände nehmend. Für sie ließ ich mein Futter unberührt, das Zusammensein mit ihr war mir wichtiger. In ihrem Arm liegend waren wir uns innerlich sehr nah verbunden, dieses waren Augenblicke unendlichen Glücks. |